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Herzlich willkommen auf dem Portal der VHS-Schreibschule

Liebe Freundinnen und Freunde der Schreibzunft!
Lebendig erzählen – Von der Buchstabensuppe zum Prosawerk heißt es nun zum fünften Mal wieder. Es geht um einen flüssigen Erzählstil, um dramaturgische Kniffe, die deinen Text für deine Leser interessant werden lassen. Es geht um Heldinnen und Helden, die unsere Geschichte geschickt transportieren, und in diesem Semester geht es ganz besonders um diese Arbeit mit diesen unseren Figuren.
Viel Spaß und viel Erfolg,
wünscht Elke
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Ich stapfe die vier Stockwerke in der alten Kapuziner-Abtei hinauf, nachdem mich Sohnemann an der geschwungenen Fasade des Limbecker Platzes in Essen aus dem Golf verabschiedete. Während der Herfahrt, und ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, dass mich nur sein überaus sportlicher Fahrstil wieder mal daran erinnert haben muss, blitzten kurz einige Gedankensplitter in meinem Gehirn auf, die schließlich darin gipfelten, dass ich mich wieder mal in die Siebziger zurück versetzt sah. Als dieser verrückte Italiener mir während der Tourist Trophy auf der Isle of Man in die Quere kam, und wir beide die nächsten Wochen freundlich grinsend, uns gegenseitig beim Zusammenwachsen unseres Knochenmaterials zuschauen konnten. Woher hat der das bloß? Ein popeliger Golf ist nunmal kein Rennpferd, Sohnemann? Seltsam, nur noch die paar Stufen, wie kommt Einer in Zeiten höchster Perfektion auf allen Gebieten dazu, eine Lokalität dem ganzen Gegenteil davon zu widmen? Weiterlesen: http://www.bohnenzeitung.com/2014/09/sport-ist-mord-tonis-o-ton/
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 Die Geschichte der Woche
"Aurora borealis, final versio..." von windbraut
Polarlichter, die Erinnerungen an ihn. Zuckende, tanzende, verführende Lichtbilder. Andenken an etwas, das war und nicht hätte sein dürfen. Ich traf ihn mit sechzehn. Wolfgang. Bekannt wie ein bunter Hund in unserem kleinen Ort mit der großen Herz-Jesu-Kirche. Er konnte so verspielt wie unser Cockerspaniel sein. Seine Worte hüpften und sprangen manchmal auch mit allen Vieren zugleich in die Luft. Sie hoben ihr Bein und markierten ihr Revier. Ein Bündel Lebenslust, die ich von Zuhause nicht kannte. Wolfgang. Lebenskünstler. Genießer. Er kaute das Essen, er degustierte den Wein. Bei uns schlang man das Mittagessen im Stehen herunter. Keine Zeit. Schneller. Bist du schon fertig? Ich muss noch. Ich hab noch nicht. Meine Eltern mittags: Nervenbündel, immer auf Trab. Wolfgang. Er aß, er trank mit Genuss. Er zeigte mir Werke von Bruno Bruni. Ihre Zartheit so greifbar, sie hat mich nie mehr losgelassen. Keine Ruhe, bis ich die Lithographie "Strangers in the night" auch hatte. Der Druck hing in allen meinen Wohnungen, in meinen Büros, wenn ich ihn irgendwo zurück gelassen hatte, kaufte ich ihn woanders sofort wieder, heute hängt er über meinem Bett. Der Mann mit Hut und Mantel, die mit Bleistifthauch angedeutete nackte Frau in seinen Armen. So ein wunderschöner Körper. Groß, sehr groß. Schlank, sehr schlank. Und aufregend schön. „So wie du“, sagte Wolfgang später und dieser Satz, er bekam Flügel, sie trugen mich durch manche Nacht. So! wie… ich? Wolfgang. Auf jungenhafte Art undiszipliniert, ein schwarzes Schaf unter all den Lauteren, den Reinen in unserem Ort. Ein wenig Narziss und ganz viel Goldmund. Von Frauen umhummelt wie eine exotische Blüte. Auf einer Party meiner Eltern sprach er mit mir, als sei ich eine von ihnen. Er sagte nicht so Sachen wie: "Du bist aber groß geworden" oder - noch schlimmer: "Wie läuft es in der Schule?" Seine Sätze begannen mit: „Was denkst du über…?“ oder: „Was hälst du von…?“ So etwas hatte mich noch keiner gefragt. Wolfgang war 37. Ich war 16. Außer Rand und Band mein Herz, wenn der Hausflur nach seinen Zigarillos roch. Ich fing sein Lächeln ein wie ein Schmetterlingssammler ein besonders seltenes Exemplar. Wenn ich allein war, nahm ich sein Lachen vorsichtig aus dem Kescher und sah es mir von allen Seiten an. Bestaunte die Leichtigkeit, die Natürlichkeit. Ehrliche Lebensfreude schillerte darin. Ein Sommervogel, bunt und gaukelnd. Ein Schwärmer, so umschwärmt. Er war groß und kräftig. Und doch glaubte ich seine Zerbrechlichkeit zu wittern. Glasflügel auch er? Er hatte sehr schöne Hände. Ich hätte sie gern unter mein Mikroskop gelegt und stundenlang angeschaut. Konnten sie zärtlich sein? Wie würden sie sich auf nackter Haut anfühlen, diese manikürten Finger? Stark und zart - wie er? Seine Abwesenheit war verwirrend. Aber noch mehr war es seine Anwesenheit. Vorsicht war geboten. Männer kannte ich bislang als furchteinflößend, sie konnten brutal und unberechenbar sein. War er anders? Auch er war nur ein Fühlertier, hatte einen Saugrüssel wie alle Männer. Lieber wollte ich nicht wissen, was er damit anstellte. Wolfgang. Er war, er blieb. Eine nie enträtselte Mischung aus Kommen und Gehen, aus Fliehen und Bleiben. Einer, der sich mit leiser Wehmut der Kameradschaft und Verbundenheit aus Bundeswehrzeiten erinnerte, er schien diese Verbrüderung immer aufs Neue zu suchen und nirgends finden zu können. Auf dem Sprung und doch fest verwurzelt mit diesem Ort. Ein Stammplatz an der Theke und einen in meinem Herzen. Wolfgang. „Ein Wort von Dir“…, hatte er gesagt, „…und ich lasse alles sausen.“ Da waren er, seine Familie, meine Eltern und ich gemeinsam im Urlaub. San Tropez. Seine nackten Füße, voller Sand, warm von der Sonne, sie streiften über meine, heimlich, unter dem Tisch. Das Verbotene, so reizvollverwirrendbittersüß. Für mich war er ein Mann, d e r Mann überhaupt. Für die Menschen um uns herum war er Ehemann. Vater. Freund. Ein Wort von mir, dachte ich. „Komm“, dachte ich, flüsterte ich in mich hinein. Wie es wohl klingen würde, wunderte ich mich, laut ausgesprochen? Komm. Ich sagte, ich wagte es nicht. „In amore beatum habere non simper facile est“, schrieb er auf einen Zettel. Ich legte ihn in mein Tagebuch, dort liegt er noch heute. „Was bedeutet das?“ fragte ich. "In der Liebe Glück zu haben, ist nicht immer einfach", sagte er und sah mir so tief in die Augen, dass ich dachte, er fällt in mich hinein und wird für immer in mir bleiben. In der Liebe Glück zu haben…. Liebe, was war denn das: eher Schicksal, mehr Zufall, ganz Fügung? Die quälende Sehnsucht nach seinem Blick, der ständige Gedanke, wie sein Kuss wohl schmeckt, das mich- in-seine-Nähe-Wünschen, all die bangen Fragen! Seine Arme - das waren doch beschützende Schwingen, oder auch nur getarnte Gefängnistüren? Dieses ihn immer wieder ansehen wollen, ja fast müssen, so anstrengend, ich musste mich richtig konzentrieren, weil das doch keiner merken durfte. Dieses ganze Durcheinander - war das schon Liebe? Dann war die nicht immer einfach, das glaubte ich wohl. Wir alle zusammen beim Pétanque am Strand, im feinen Sand der Cote d’Azur. Ich zuckte zusammen, wenn seine Kugel an meine stieß. Vielleicht war Liebe ja auch nur ein Wettkampf? Und: wer stellte dann die Spieler auf? Gab es jemanden, der die Regeln macht, den Sieger bestimmt? Und was würde am Ende aus dem Verlierer werden? Liebe. So erschreckend uferlos. Ohne Horizont, weit und verlockend warm wie das Mittelmeer. Wolfgang. Er hatte damals in der Nähe von Èze Schuhe gekauft, mit denen man über das Wasser gehen kann, was haben da alle gelacht, so bekloppt, sagten sie, so typisch, und sie schlugen sich auf die Schenkel. Er war. Er blieb. Spontan und ansteckend lebensfroh. Jahre später, nach Ausbildung und erstem Liebes-er-leben, schellte mitten in der Nacht das Telefon. Wolfgang. Er hatte gerade wieder irgendetwas Verrücktes angestellt und: „…habe überlegt, dass du der einzige Mensch bist, dem ich das erzählen könnte“, sagte er lachend. Ich weiß nicht mehr, was es war. Es war der Anfang von etwas, das nie richtig begonnen hat und ohne Ende blieb. Ich war Anfang zwanzig und wieder sechzehn. Wir trafen uns in seinem Büro. Es war stockdunkel in der Versicherungsagentur. Ich saß auf seinem Schoss, seine Hände, so oft heimlich angestaunt, sie wanderten unter meinen Pulli. Zielstrebig, aber ohne Ungeduld, legten sie sich warm auf meine Hüfte, blieben dort. Er flüsterte meinen Namen, in mein Ohr, in mein Haar, buchstabierte ihn mit kleinen Küssen auf meiner Schläfe. Die Stunden, sie standen ganz still. Wir trafen uns am Ümminger Teich, liefen Hand in Hand durch die Dunkelheit, blieben immer wieder stehen, einen Kuss lang. „Du hast so gern Kleider getragen“, sagte er. „Wenn wir uns treffen, hast du immer Hosen an.“ "Das ist, weil ein Rock schneller hochrutscht als eine Hose runter“, sagte ich. Das belustigte ihn. „Ach so“, sagte er. Und ich konnte sein Lächeln hören. Seine Küsse Flügelschläge, so zart wie ich sie mir vorgestellt habe. Ein Verpuppen und Verraupen. Ein Wachsen und Vergehen. Wolfgang drängte nicht, er bot nur an. Wir hielten Picknick in seinem Auto. Er hatte in dem Delikatessenladen Steffen in Bochum eingekauft, was ihm in die Finger kam. Ich kam aus einer Fleischsalat-vom-Supermarkt-Familie und saß nun mit Wolfgang bei Scampi und Parmaschinken. Lammnüsschen und Langustensalat. Wir aßen mit den Fingern, damals, in der Nacht in seinem Volvo. Irgendwo am Stadtrand von Witten. Zärtlichkeit und Traurigkeit, sie waren eineiige Zwillinge in dieser Nacht. Aneinanderdrängen. Nähe suchen, Wärme. Die eigene Einsamkeit im anderen finden und für eine Weile verlieren dürfen. Diese Nacht. Sie bleibt ewiges Basislager für lebenslang Verherrlichtes, nicht Gelebtes, zum Traum-bleiben Verurteiltes. Wenn nichts mehr geht, kann man sie sich später ausmalen in allen kosmischen Farben. Blitze, neben denen manch anderes blass bleiben wird. Polarlichter diese Stunden, verdammt zum Geisterleben. Sie irren später noch über so manchen nächtlichen Horizont. Wolfgang in meinen Armen, ganz weich, ganz weit geworden. Ganz still. Unser Schweigen ein Bullerofen, manchmal hörte man das Holz darin knacken. „Ich hab mich noch nie so geborgen gefühlt“, sagte er so leise, dass ich es kaum hören konnte. „Ich wusste nicht, dass man mit einer Frau einfach so entspannt zusammen sein kann. Einfach – so - sein. Nichts, was jetzt erwartet wird. Nichts, was ich jetzt machen müsste. Es ist so unkompliziert und so ….“ Eine Weile war es ganz still. „Dabei haben wir“, die letzten Worte nur noch ein Hauch: „noch nicht mal …“ Nein, haben wir nicht. Das war unser letzter Abend. Danach haben wir uns nur noch selten und immer nur in Begleitung der anderen gesehen. Er hatte mich nach dieser Nacht zu sich nach Hause eingeladen, da seine Frau alleine im Urlaub war. Ich wusste, die beiden gingen irgendwie getrennte Wege, aber ich habe es nicht fertig gebracht, zu ihm zu gehen. Ich wusste, ich würde entweder im Rock gehen oder gar nicht. Ich ging gar nicht. Wie gern würde ich jetzt sagen, dass es allein Anständigkeit war, die mich zurückgehalten hat, aber das wäre nicht ehrlich genug. Die Wahrheit, wenn es denn eine gibt, wenn es denn nur eine einzige geben sollte, ist die, dass ich zu feige war. Es gab nur das Heimliche bei Nacht oder das Unheimliche am Tage, zu beidem fehlte mir der Mut. „Ich wollte nicht eine von Vielen sein“, hab ich viel später mal zu ihm gesagt, um überhaupt etwas zu sagen, so vermute ich heute. Seine ruhige Antwort brannte wie ein Insektenstich: „Das wärst du nicht gewesen." Autsch. Aber auch das verging wieder, wie eben alles vergeht. Da gibt es die Momente, immer mal wieder gibt es sie, mit den Gedanken an diese Nacht im Auto, am Stadtrand von Witten. Dann spüre ich es wieder: den Zusammenprall von elektrisch aufgeladenen Körperzellen mit dem warmen Sonnenwind. Wenn ich die Augen schließe, wie damals, kann ich sie so deutlich sehen: die fluoreszierenden Lichtbänder, sie tanzen und zucken und verführen mich. Was für ein Farbenrausch: das Halten und gehalten sein, das wunschlose Glück, nur geliehen, na und? Die Freude, das Lachen von zwei Kindern, die von Zuhause ausgerissen sind. Aber wie schön, wie schön still konnten wir auch miteinander schweigen. Das kann man nicht mit jedem, das weiß ich inzwischen. Unsere gemurmelten Worte, die warmen Hände, mal streicheln sie behutsam, mal halten sie ganz fest, die wimpernschlagzarten Küsse und die anderen... Aber auch das leise Weh der Ahnung, des Abschieds, des so nahen Verlustes. Sie sind alle da. Und ziehen dann wieder weiter. Erinnerungsgaukler, sie verweilen nie lange. Anders als er. „Komm“, sag ich dann, „komm und sag‘ mir, wie geht das: mit dem über das Wasser laufen?“ Und die Zeit, sie steht ganz still.
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