Lehrbrief und Schreibaufgabe
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Herzlich willkommen auf dem Portal der VHS-Schreibschule

Liebe Freundinnen und Freunde der Schreibzunft!
Lebendig erzählen – Von der Buchstabensuppe zum Prosawerk heißt es nun zum fünften Mal wieder. Es geht um einen flüssigen Erzählstil, um dramaturgische Kniffe, die deinen Text für deine Leser interessant werden lassen. Es geht um Heldinnen und Helden, die unsere Geschichte geschickt transportieren, und in diesem Semester geht es ganz besonders um diese Arbeit mit diesen unseren Figuren.
Viel Spaß und viel Erfolg,
wünscht Elke
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Endlich ist es raus! Schaut selbst, das ist unser erstes gemeinsame Schreibschul-Projekt im neu gegründeten Verlag Tausendundeine Geschichte. http://www.amazon.de/Miri-Modun-Erlesene-erotische-Kurzgeschichten/dp/1508431183/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1424341675&sr=1-2
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 Die Geschichte der Woche
"Heimsuchung" von Margit Dorfmüller
Nachdem ich mich mühsam über Kopf geföhnt habe, um die spärlichen Haare aufzubauschen, die mir das Alter gelassen hat, springt Habacht wieder auf meine Schulter und krallt sich vorsichtig auf meinem Pullover fest. Solch ein Sensohr ist ein Nutztier. Es sieht und hört mehr als wir Menschen, sogar im Voraus. Habacht ist ein Männchen, und damit häuslich ist und ein Wetterprophet. Die Weibchen sind Jäger. Wenn er mit mir spricht, wendet er sich flötend wie eine Amsel vor dem Regen sacht zu meinem Ohr. Dabei gehört er nicht zu den Vögeln, trotz der flügelförmigen Ohren auf dem Rücken. Grade fächert er mir leise knisternd Luft zu. „Heute bist du hektisch, meine Liebe“, wispert er mir ins Ohr und löst die Krallen vorsichtig von mir. „Wenn du so ruckelst, ziehe ich um“. Fort ist er und bezieht auf der Fensterbank Posten. Ich bin aufgeregt und angespannt, das ist wahr. „Du hast gut reden, Habacht, du hast keine Ahnung, wie das ist: offizieller Besuch, dem du beweisen musst, dass du alleine zurechtkommst, obwohl er vom Gegenteil überzeugt ist und deine Kinder behaupten, du wärest nicht ganz bei Trost! Ich muss einen guten Eindruck machen, ordentlich aussehen und die Hütte klar kriegen - in zwei Stunden!“ Unwirsch ordne ich mein Bett und schließe die Schlafzimmertüre. Darin haben Fremde wirklich nichts zu suchen. „He, du schaffst das“, höre ich Habacht melodiös vom Fenster. „Denk dran: eins nach dem anderen, und je mehr du strampelst, um klar zu wirken, desto mehr verhedderst du dich. Begegne ihnen freundlich und lasse vor allem sie reden. Bleib ruhig!“ Ich fühle mich zittrig und fahrig. Ohne Grundlage im Magen bin ich schwach auf den Beinen und vertrage meine Tabletten nicht. Ich greife nach der Zeitung im Briefschlitz der Tür und lasse mich aufatmend am Küchentisch nieder, dankbar, dass Zweifellchen schon das Frühstück zubereitet und den Ofen eingeheizt hat. „Ich weiß nicht“, Zweifellchen hustet, „ob es kalt genug ist, für den Ofen – außerdem drückt es den Rauch rein. Habacht sagt, es gibt Regen; dann können die vom Amt ihre Mäntel hier trocknen und werden sich wundern, wie schön warm du es morgens schon hast. Oder was meinst du? Wirkt es übertrieben? Werden sie denken, du kannst die Jahreszeit nicht einschätzen?“ „Es ist auf alle Fälle sehr heimelig“, lobe ich die emsige Schnurrerin, die schon wieder mit der Holzkiepe zum Schuppen unterwegs ist. „Aber du musst dich noch putzen, damit deine zwei Farben zur Geltung kommen und schnurre bitte freundlich. Eine sanfte und gepflegte Katze wird sie für mich einnehmen!“ Ich selbst liebe, ihr seidiges, weißes Fell mit den schwarzen Flecken zu streicheln. Das tut meinen knotigen, steifen Finger, die ich grade über die warmen Herdringe halten darf, so gut. Sensohr hat die heiße Milch in den Kaffee gegossen und schiebt mir ein Butterhörnchen samt der Tablettenschachtel hin. Er selbst ist ein schmaler Hänfling, ernährt sich von den Krümeln, die ich großzügig fallen lasse. Ich tunke mein Gebäck in den Kaffee und zupfe ihn dabei behutsam an seinen durchscheinenden zart-silbrigen Flügel-Ohren. Sie trüben sich ein, wenn etwas im Anmarsch ist. Ich müsste die Brille aufsetzen, um es zu erkennen. Wo ist sie? Ich taste nach der roten und der gelben Tablette von „Mo. – Morgen“ und nehme einen großen Schluck Kaffee dazu. Ich weiß, ich sollte sie mit Wasser nehmen und nicht beim Essen reden, aber es drängt mich: „Habacht, hilf mir beim Hörnchen, du Luftnahrungskünstler. Bist wie eins der unzähligen Strichmännchen, die mein Fritz immer mit viel Fantasie gezeichnet hat und grad so dürr wie er selbst. Das Sensohr antwortet nicht gleich. „Du musst daran denken, dass du dem Besuch mit keinem Wort von uns erzählst, hörst du? Sie werden dich fragen, wie du den Alltag allein bewältigst. Sie werden erkennen wollen, wie weit du orientiert bist.“ „Meine Brille“, rufe ich Zweifellchen zu, „bitte, denk an meine Brille. So kann ich ihnen nicht einmal Kaffee anbieten! Danke euch für alles, ihr Engel.“ Und dann sitzen wir für eine kleine Frist behaglich um den Tisch und krümeln und schlürfen; Zweifellchen nimmt den Rest Milch aus dem Topf. Mit der Brille auf der Nase und dem Frühstück im Magen fühle mich schon stärker. Mir fällt ein, dass ich die Bedienungsanleitung der Kaffeemaschine verlegt habe. Kürzlich war sie noch da. Kaffee, mit heißer Milch vom Ofen, ja, aber das will vorbereitet sein, das macht einen guten Eindruck. Weltmännisch, lebenstüchtig, präsent! „Ihr müsst mir helfen, ich will sie mit Kaffee empfangen. Die Kinder hatten mir doch neulich die schöne Maschine geschenkt, lass sie uns ausprobieren!“ „Meine Liebe“, Zweifellchen klingt vorsichtig. „Meine Liebe, nicht neulich. Das war auf dem letzten runden Geburtstag und du hast sie erst ein einziges Mal benutzt. Seit Jahren steht sie nun da. Brüh ihn einfach auf, das ist sicherer und schmeckt besser.“ Sie unterschätzt meine Ohren. Ich höre sehr wohl den Unterton und auch ihr Getuschel. „Keineswegs“, fahre ich herum, als sie sich hinter mir zu Sensohr wendet „keineswegs war das ein sinnloses Geschenk. Sie haben es gut gemeint. Und meinen es auch jetzt nur gut! Habacht, hilf du!“ Das Sensohr hüpft mir wieder auf die Schulter. Die kleine Schnauze tippt leicht an mein Ohrläppchen. „Wir Beide müssen dich jetzt allein lassen. Sie kommen den Weg herauf; gleich sind sie da. Setz das Wasser auf, mach`s wie früher. Nimm dir Zeit. Sie sind keine Feinde. Empfange sie wie Wanderer ohne Eile!“ Als es draußen klopft, sind beide verschwunden. Ich sehe und höre sie nicht mehr, kann ihre Gegenwart nur noch ahnen, muss vertrauen, dass sie sich nicht mucken und doch da sind. Ein wenig unheimlich ist es schon, dass man so verschwinden kann! Später erinnere ich mich nicht mehr an alles, was die beiden vom Amt gefragt haben. Sie haben sich manchmal untereinander angesehen und ein anerkennender Blick war auch dabei. Im Nachhinein bin ich nicht ganz zufrieden mit mir: Von eigener Krankheit sollte man nicht erzählen. Das langweilt die anderen und macht einen schwachen Eindruck. Doch ich kenne mich gut mit Naturheilmitteln gegen mein Rheuma und habe ihnen meine Kräuterbüschel gezeigt. Am meisten haben sie das samtige, schwarz-weiße Katzenfell bewundert, das ich um den Rücken trage. Die Frau hat gezögert, es anzufassen. Sie waren so freundlich! Wie hübsch ich es hier hätte, aber so viel Arbeit, ganz allein sei das doch alles ziemlich anstrengend. Ist es das wirklich? Bin ich deshalb immer müde? Aber darin haben sie Unrecht: ich bin nicht ganz allein. Ich habe wie zufällig gefragt, ob manche ihre Haustiere dorthin mitnähmen und dabei erfahren, dass sie dort einen kleinen Streichelzoo unterhalten. Meine Beiden werden dort nicht auffallen. Ich muss sie nur ungesehen hin schaffen. Dann schaue ich lange in den Spiegel. Die Frau darin sieht erschöpft aus. Mir scheint, sie bittet mich um etwas. “Es ist wie Ferien machen“, sage ich zu ihr, „ du darfst ausruhen!“ Ich halte ihr die seitlichen Wangen und schiebe die Schläfen mit den Fingerspitzen hoch. Sie lächelt.
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