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Herzlich willkommen auf dem Portal der VHS-Schreibschule

Liebe Freundinnen und Freunde der Schreibzunft!
Lebendig erzählen – Von der Buchstabensuppe zum Prosawerk heißt es nun zum fünften Mal wieder. Es geht um einen flüssigen Erzählstil, um dramaturgische Kniffe, die deinen Text für deine Leser interessant werden lassen. Es geht um Heldinnen und Helden, die unsere Geschichte geschickt transportieren, und in diesem Semester geht es ganz besonders um diese Arbeit mit diesen unseren Figuren.
Viel Spaß und viel Erfolg,
wünscht Elke
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Endlich ist es raus! Schaut selbst, das ist unser erstes gemeinsame Schreibschul-Projekt im neu gegründeten Verlag Tausendundeine Geschichte. http://www.amazon.de/Miri-Modun-Erlesene-erotische-Kurzgeschichten/dp/1508431183/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1424341675&sr=1-2
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 Die Geschichte der Woche
"Josef" von Gertrud
Mein Onkel Willi Es war Anfang Dezember, als Guido und ich den Nachlass von Onkel Willi sichteten. Papa hatten wir vor sieben Jahren beerdigt und jetzt Wilhelm, seinen einzigen, unverheirateten Bruder. Seit dem ich denken konnte, bewohnte mein Onkel die Dachwohnung in unserem Haus, während Mama seit dem Tod meines Vaters im Erdgeschoß alleine lebte. Intensiv hatte sie sich in den letzten Jahren um Onkel Willi gekümmert und täglich für ihn gekocht. Sie war es auch, die gerne die Wohnung aufgelöst hätte, doch Mama konnte mit ihren kaputten Knien keine Treppen mehr steigen. Das Ausräumen und Entrümpeln der Mansarde blieb somit an meinem Mann und mir hängen. Am späten Nachmittag, als der Staub und die schlechte Laune langsam die Oberhand gewannen, war nur eine Schuhschachtel mit allerlei Papieren übrig, die ich in aller Ruhe zu Hause sortieren wollte. Dann fiel mir an der Garderobe noch sein Hut in die Hände. Aus Spaß setzte ich ihn auf, drehte mich um die eigene Achse. „Hast du ihn jemals ohne diesen Hut gesehen?“, fragte mich mein Kleidersäcke schleppender Ehemann. Ich hielt in der Bewegung inne und schüttelte den Kopf. Tatsächlich. Sein Erscheinungsbild war für mich so gegenwärtig und selbstverständlich gewesen, dass ich mir noch nie Gedanken darum gemacht hatte. Seufzend legte ich den Hut zu den wenigen Papieren auf die Schachtel. Für heute hatte ich von Nostalgie und Rückblicken die Nase voll. „Komm nach Hause, Guido“, sagte ich deshalb, „ich habe Lust auf Kaffee mit Grappa. Vielleicht sind ja auch noch ein paar Cantuccini von deiner Mama in der Dose“ So kam der Hut in unsere Wohnung. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, das alte Kleidungsstück ein wenig aufzumöbeln. Als erstes zog ich die Federgarnitur aus dem braunen Zierband. Fedrige Flöckchen schwebten in der Luft. Das erinnerte mich daran, wie sehnsüchtig Willi beim Öffnen des Taubenschlages seinen Tauben nachgesehen hatte. Schon begann ich mit Filznadeln auf den grau-grünen Stoff einzustechen. Luft und Licht sollte hindurchfluten, doch bei der nächsten Anprobe schimmerte nur meine rötlich gefärbte Haarpracht wie Hagebuttentee durch die schlimmsten Löcher. Mama rief zu dieser Zeit mindestens dreimal am Tag an. Seltsam nervös und doch beharrlich stellte sie immer wieder Fragen nach Willis Hinterlassenschaft, auf die ich keine Antworten geben konnte. Stattdessen saß ich am Küchentisch, stierte das verunstaltete Gebilde an und dachte an den Sommer, als Willi mir das Schwimmen beigebracht hatte. Wie von selbst stand dann die Plastikschüssel voll Wasser vor mir und ich tauchte mit Inbrunst den zusammen gefalteten Stoffklumpen in die Pfütze. Das Ergebnis war niederschmetternd. In der gleichen Woche meldete Mama ihren Besuch an. Ich wollte sie nicht sehen und gab eine Viruserkrankung vor, die noch nicht einmal so ganz aus der Luft gegriffen war. Seit kurzer Zeit hatte ich nämlich Beklemmungsgefühle in der Brust und Bauchschmerzen. Außerdem hatte ich beschlossen, den Hut zu ignorieren. Ein paar Tage vergingen, ohne dass ich die filzige Kugel anpackte, doch meine Überlegungen zogen mich wie ferngesteuert wieder in die Vergangenheit. Es war, als hätte der Hut die gefährliche Kraft, Erinnerungen von tief unten an die Oberfläche zu ziehen. Guido spürte sie auch, die unheilvolle Aura, die den Hut umgab. „Ich will, dass er verschwindet“, sagte er ganz unvermittelt am Nikolausabend. „Spinnst du?“ „Merkst du denn nicht, wie du dich verändert hast?“ „Guido, wir reden über einen Hut.“ „Quatsch. Wir reden über dich.“ Mit diesen Worten verschwand er wütend im Schlafzimmer. Der Hut hatte mich nämlich wieder in seinen Bann gezogen, genauer gesagt bearbeitete ich ihn seit ein paar Stunden mit dem Fön. Dabei tauchten wie aus dem Nichts Onkel Willis große, warme Hände vor meinen Augen auf. Bei Eiseskälte und Frost hatte er meine steif gefrorenen Finger oft in seine genommen und so lange gehalten, bis wieder Leben in sie eingeströmt war. Seltsamerweise war es Mamas Blick, der mir bei dieser Erinnerung in den Sinn kam. Wie sie auf unsere verknoteten Hände starrte. „Deine Mutter war heute Nachmittag da“, informierte mich Guido beim Abendessen. Eine göttliche Eingebung hatte mich an diesem Tag ins Rathaus gelotst, wo man mir jedoch die Einsicht in Willis Vorgänge verweigert hatte. „Was wollte sie denn?“ Aus dunkelbraunen italienischen Augen traf mich ein vorwurfvoller Blick. „Schon gut“, sagte ich schnell. „Bestimmt ging es um das Weihnachtsessen.“ Guido schmiss seine Serviette auf den Tisch. „Stupido“, konnte ich aus dem nicht enden wollenden Wortschwall gerade noch verstehen und damit stampfte er aus dem Zimmer. Jetzt bekam ich es mit der Angst zu tun. Meine Ehe war in Gefahr. Ich riss das klamme Gestell vom eigens angeschafften Perückenkopf, versah es mit den übelsten Schimpfworten und schleuderte es in eine Ecke, wo es wie ein zerknautschter Frosch liegenblieb. Am Morgen des heiligen Abends saß ich mit der Schuhschachtel an meinem Schreibtisch im Schlafzimmer. Guido werkelte in der Küche. Mama würde in einer Stunde hier sein, ich wollte ihr endlich die ersehnten Papiere übergeben. In dem Karton befanden sich die wenigen amtlichen Reste, die vom Leben eines Menschen übrig blieben: Ausweise, Dokumente und Bescheide fielen mir in die Hände, dazu ein paar Bilder und Briefe. Ganz unten lag noch ein Album auf dem Boden mit Fotos von Mama und Willi. Die beiden allein im Garten und auf einer Feier, auf einem Spaziergang, auf der Kirmes. Dann kam das erste Babyfoto und es folgten immer mehr. Lange saß ich da, bis Guido ins Zimmer kam und mich mit verstörtem Blick ansah. Er trat zu mir an den Tisch, nahm das Album in die Hand und blätterte es durch. „Rita“, sagte er weich, „du gehst jetzt zuerst in die Badewanne und danach redest du mit deiner Mutter“. Ich nickte, doch auf halbem Weg blieb ich stehen. „Und heute ist auch noch Weihnachten“, heulte ich los. Guido nahm mich in die Arme. „Meine Mama sagt immer: Zu Weihnachten hat jeder Junge eine Mama und jedes Mädchen einen Papa verdient.“ Er seufzte und ließ den Blick in die Ecke mit dem grünen Fleck wandern. „Aber manchmal ist einer eben nicht genug.“ Cantuccini 250 g ganze Mandeln mit Haut bei 175° 8 min rösten und abkühlen lassen. Drei Eier trennen, Eigelb mit 250 g Zucker, und dem Mark einer Vanilleschote verrühren. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und unter die Eigelbmasse ziehen. Abgeriebene Schale einer Zitrone und die Mandeln darunter mischen. 400 g Mehl mit ½ Päckchen Backpulver mischen und nach und nach in die Eiermasse einarbeiten. Teig in 6 Portionen teilen und Teigrollen formen. Jeweils 3 Rollen mit Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und etwas flach drücken. Bei 175°-180° etwa 20-25 min backen, bis die Oberfläche leicht gebräunt ist. Herausnehmen, mit einem scharfen Messer sofort in schräge Scheiben schneiden. Mit der Schnittkante nach oben wieder auf das Blech legen und noch 6-7 min bräunen. Wer es mag, kann mit den Mandeln zusammen noch eine Handvoll Kaffeebohnen unter den Teig arbeiten. Josef Es war Anfang Dezember, als Ralf und ich den Nachlass von Onkel Willi sichteten. Papa hatten wir vor einem knappen Jahr beerdigt und jetzt Wilhelm, den kinderlosen Bruder. Mama war in Bad Sassendorf in der Reha. Ich merkte, wie gerne sie die Wohnung entrümpelt hätte, doch dieses Mal blieb alles an meinem Mann und mir hängen. Zum Schluss war nur eine Schuhschachtel mit Fotos und Briefen übrig, die ich in aller Ruhe zu Hause sortieren wollte. Dann fiel mir an der Garderobe sein Hut in die Hände. Dieser abgetragene, graugrüne Jägerhut war Onkel Willis Erkennungszeichen gewesen. Aus Spaß setzte ich ihn auf. „Was würdest du sagen, was für ein Mensch er war?“, fragte ich meinen Kleidersäcke schleppenden Ehemann. Ralf ließ die blaue Knisterfolie los. „Na ja“, brummte er vor sich hin, „oft habe ich ihn nicht gesehen. Auf den meisten Familienfesten war Elfriede alleine da.“ „Arme Elfriede“, sagte ich „wie hat sie es nur ausgehalten mit so einem verschrobenen, ungeselligen Mann?“ Seufzend legte ich den Hut zu den wenigen Papieren auf die Schachtel. „Er hat sich regelrecht in seine Installateurwerkstatt verkrochen. Hast du ihn eigentlich mal lachen gesehen?“ Aber Ralf hatte von Erinnerungen die Nase voll. „Ab nach Hause“, sagte er, „ich mache uns zum Abendessen was mit Pilzen.“ Er fixierte den Hut. „Was hältst du von Jägerschnitzel?“ So kam der Hut in unsere Wohnung. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, das alte Kleidungsstück ein wenig aufzumöbeln. Als erstes zog ich die Federgarnitur aus dem braunen Zierband und fabrizierte mit Krepp, Leinenstoff und Seide eine blau-graue Blüte, die ich seitlich befestigte. „Vom Jägertopf zum Blumentopf“, kommentierte Ralf. Unzufrieden riss ich das Machwerk wieder ab. Ich erinnerte mich plötzlich daran, wie sehnsüchtig Willi beim Öffnen des Taubenschlages seinen Tauben nachgesehen hatte. Schon begann ich mit Filznadeln auf den grau-grünen Stoff einzustechen. Luft und Licht sollte hindurchfluten. Bei der nächsten Anprobe schimmerte meine rötlich gefärbte Haarpracht wie Hagebuttentee durch die schlimmsten Löcher. Ralf kriegte sich nicht mehr ein. „Ein Haarsieb“, kicherte er. Langsam kochte nun Wut in mir. Ich besorgte mir eine dünne Kordel, schnürte in Batiktechnik das starre Gewebe ab und steckte den Klumpen in eine Schüssel mit Chlorbleiche. Das Ergebnis war niederschmetternd. Mit starkem Salbeisud arbeitete ich die ärgsten Stellen nach, doch ich war mehr als unzufrieden. „Was ist dieses Jahr mit dem Weihnachtsschmuck?“, fragte mich Ralf am Barbaratag. „Interessiert mich nicht.“ „Was ist los, Rita? Du hast doch sonst die Wohnung gerne geschmückt.“ „Kannst du ja dieses Jahr übernehmen.“ „Seitdem dieser Hut im Haus ist, benimmst du dich ziemlich komisch.“ „Kann schon sein.“ Ralf nahm mir den Heizkörperpinsel aus der Hand, mit dem ich die Kräutertinktur auftupfte. Schweigen breitete sich zwischen uns aus. „Willst du demnächst Elfriede zu mir sagen?“, fragte er mich. Entgeistert starrte ich ihn an, dann prusteten wir los, bis die Lachtränen auf das Machwerk tropften. Viel zu retten war ohnehin nicht mehr. Nach längerem Überlegen entschied ich mich, dünnen Blumendraht sorgfältig durch die kleinen Löcher zu ziehen. Ich knetete und streichelte mit spitzen Fingern die Strippen in die Länge. Allmählich nahm der zerbeulte Kopfputz eine schnittigere Form an. Doch egal, wie er auch aussah, der Hut blieb ein Zankapfel zwischen Ralf und mir. „Ich will, dass er verschwindet“, sagte Ralf am Nikolausabend. „Spinnst du?“ „Merkst du denn nicht, wie du dich verändert hast? Du ähnelst immer mehr deinem Onkel. “ „Wir reden über einen Hut, Ralf.“ „Quatsch. Wir reden über dich.“ Mit diesen Worten verschwand er im Schlafzimmer. Ich jedoch war fest entschlossen, das Werk zu Ende zu bringen. Ohne viel Federlesens bearbeitete ich ihn mit dem heißen Fön. Dabei kamen mir Onkel Willis warme Hände in den Sinn. An eiseskalten Wintertagen hatte er manchmal meine steif gefrorenen Finger in seine genommen und so lange gehalten, bis wieder Leben in sie eingeströmt war. Durch die Heißluft hatten sich an den Huträndern unterschiedliche Verdickungen angesiedelt, die an zarte Erbsen oder aber auch an Oliven erinnerten. Das wiederum brachte mich auf eine Idee. Von einer ausgedienten Zucchinikiste montierte ich das Schutznetz ab und befestigte es derart geschickt an den Hut, dass ich es wie einen Schleier vor meine Augen fächern konnte. Der Effekt war unbeschreiblich. „Rita, du hast da eine Gemüsekiste auf dem Kopf“, sagte Ralf am nächsten Morgen, nachdem wir uns in später Nacht wieder vertragen hatten. Da gab ich auf, riss mir das Gestell vom Kopf und schleuderte es in eine Ecke, wo es wie ein zerknautschter Frosch liegenblieb. Am Morgen des heiligen Abends saß ich mit der Schuhschachtel an meinem Schreibtisch im Schlafzimmer. Ralf werkelte in der Küche. Mama würde in einer Stunde hier sein, ich wollte ihr die Papiere übergeben. Einer Eingebung folgend setzte ich mir die Reste von Onkel Willis Jägerhut noch einmal auf den Kopf. Es sollte eine symbolische Verabschiedung sein, bevor das Stoffgebilde im Müll landete. Oben in der Schachtel lagen acht Briefe, die Tante Elfriede an ihren Mann geschrieben hatte, als er bei der Bundeswehr stationiert war und eine Handvoll Fotos. Außerdem einen Zeitungsausschnitt mit der Erwähnung seines Meisterbriefes. Zum Schluss war da noch ein Foto von Mama und Willi im Garten, welches ich gerade erst entdeckt hatte. Die beiden sitzen auf einer hölzernen Bank im Schatten eines Apfelbaumes. Mein Onkel hat die obersten Knöpfe seines weißen Hemdes geöffnet und die Ärmel aufgekrempelt, Mama trägt ein dunkles Kleid. Ihre Köpfe sind einander zugewandt, sie schauen sich an. So intensiv, dass die Leidenschaft und das Verlangen beinahe durch das Papier brennen. Lange saß ich da, bis Ralf ins Zimmer kam und mich mit verstörtem Blick ansah. Er kam zu mir an den Tisch, warf einen Blick auf das vergilbte Bild, dann strich er zärtlich über den Hut auf meinem Kopf. Schließlich hob er den grünen Plastikschleier hoch. „Marita“, sagte er weich, „du gehst jetzt zuerst in die Badewanne und danach redest du mit deiner Mutter“. Ich nickte, doch auf halbem Weg blieb ich stehen. „Und heute ist auch noch Weihnachten“, heulte ich los. Ralf nahm mich in die Arme. „Du wirst bald wissen, wer dein Josef ist“. sagte er und dabei betrachtete er die die graugrünen Reste auf meinem Kopf. „Aber eigentlich habe ich keinen Zweifel.“ Jägerschnitzel für 4 Personen 4 dünne Schweineschnitzel à 150 g 250 g Champignons 1 Schalotte 3 TL Butterschmalz 250 ml Fleischbrühe 100 g Sahne 1 EL Mehl Salz, Pfeffer Schnitzel 2-3 Minuten in heißem Butterschmalz braten, warm stellen Schalotte würfeln, Pilze in Scheiben schneiden, im Brattfett braten, bis die Flüssigkeit verkocht ist, mit der Fleischbrühe ablöschen, 5 Min. einköcheln lassen, würzen. Die Sahne mit dem Mehl verquirlen, einrühren, aufkochen lassen, nochmals abschmecken. Sauce zusammen mit den Schnitzeln servieren.
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