Lehrbrief und Schreibaufgabe
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Herzlich willkommen auf dem Portal der VHS-Schreibschule

Liebe Freundinnen und Freunde der Schreibzunft!
Lebendig erzählen – Von der Buchstabensuppe zum Prosawerk heißt es nun zum fünften Mal wieder. Es geht um einen flüssigen Erzählstil, um dramaturgische Kniffe, die deinen Text für deine Leser interessant werden lassen. Es geht um Heldinnen und Helden, die unsere Geschichte geschickt transportieren, und in diesem Semester geht es ganz besonders um diese Arbeit mit diesen unseren Figuren.
Viel Spaß und viel Erfolg,
wünscht Elke
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--mein zweiter veröffentlichter Text, den wir hier im lezten Semester als Thema hatten www.eXperimenta.de
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 Die Geschichte der Woche
"Oberhausen '29" von Penelope
Ein düsterer, eisiger Vormittag war es. Daran änderten auch die Fackeln nichts, die an der Eisenhütte das über­schüs­si­ge Gicht­gas abbrannten. Gegen die grauen Schwaden, die von den Koke­reien in Osterfeld her­über­zogen, kam die Wintersonne nicht an. Kalt wie nie, dieser Januar 1929. Sogar der Rhein war zugefro­ren. In der Einsatzbesprechung hatte es geheißen: Leichenfund auf dem Gelände der Gutehoff­nungs­hüt­te, Inspektor Zweig und Oberwachtmeister Wrobel, kümmern Sie sich darum! Da standen die bei­den nun. Und neben ihnen drei vom Werkschutz mit tief in den Taschen vergra­benen Hän­den und finsterem Gesichtsausdruck. Die wä­ren auch lieber im Warmen. Die Leiche lag mit dem gebro­chenen Schädel auf der rotverfärbten Eisfläche des Rhein-Herne-Kanals, die Füße ruhten im koh­len­staubver­dreckten Schnee des Ufers. In der starren Faust zerknüllt und halb zerris­sen ein Stück Papier. Wrobel zerrte es heraus, reichte es dem Inspektor. Zweig entfaltete das Flugblatt, las. Ar­beiter, wacht auf! Arbeiter, wehrt euch! Die alte Leier. Als ob ein Hungermonat wie der letzte November nicht gereicht hatte. Er schaute auf den Toten. Mager war er, fast ausge­zehrt. Der hatte auch in den Wochen nach der Aufhebung der Aussper­rung nicht viel zu fressen gehabt. Dem hatten sie die Vi­sage zerschlagen, die Rippen ge­bro­chen, die Nieren zertreten und den Schädel aufs Eis gehäm­mert, ohne in Schweiß aus­zu­bre­chen. Groß ge­wehrt hatte der sich bestimmt nicht. Der Schnee ringsherum war zer­trampelt, vereinzelt war ein Sohlenprofil zu er­kennen, aber hier tru­gen sie alle die gleichen Stie­fel, vom Werk gestellt. Wrobel beugte sich über die Leiche, wühlte in den Taschen der schäbigen Klamotten – kopfschüt­telnd, weil ohne Erfolg, richtete sich wieder auf und bekreuzigte sich. Das war so eine blöde An­ge­wohn­heit vom Wrobel, das mit dem Kreuzzeichen. Was würde der sa­gen, wenn er, Zweig, jedes Mal, wenn sie eine Leiche vor sich hat­ten, die Kippa aufsetzen und das Kaddisch brabbeln würde? Und die ganze Zeit, seit sie hier standen, ja, schon auf dem Weg zum Kanal, der infernali­sche Lärm von der Baustelle hinter ihnen. „Was soll das denn werden?“, hatte er bei der An­kunft gerufen. „Schei­bengasbehälter“, hatte einer der Werkschutzleute gegen das schrille Prasseln der druckluft­be­triebenen Niet­hämmer angeschrien. Das fiel aus achtzig Meter Höhe auf sie runter und durch­siebte jeden Gedanken. Riss das Hirn in Fetzen, bis Erinnerung herausquoll. An einen an­deren fro­sti­gen Morgen. Winterschlacht in der Cham­pagne. Im Schützengraben vor Souain. Zwei Tage und zwei Nächte Artilleriebeschuss. Trommelfeuer. Zweig stöhnte. „Können diese Franzosen­schweine nicht mal eine beschis­sene Sekunde damit aufhören?“ Verdammt, hatte er das laut ge­sagt? Er nahm die Hände von den Ohren, stand auf – wieso kniete er überhaupt? – und klopfte sich den Schnee von der Hose. Wrobel guckte betreten. Und der Werkschutzmann zu seiner Rechten zog die Hände aus den Ta­schen und machte damit eine beschwichtigende Geste. „So leid’s mir tut, Herr Inspektor, aber die wer­den noch 'ne Weile nieten müssen. Das Ding muss doch fertig wer­den.“ Zweig schaute auf die angestoßenen, blutigen Knöchel des Mannes. Der schob die Hände wieder see­lenruhig ins Warme. Gut genährt war er, fast feist, auch die anderen zwei sa­hen nicht wie Hun­ger­leider aus. Den ließ sich die Gutehoffnungshütte was kosten, ihren Werkschutz. Und einen wei­te­ren Monat Arbeitskampf würden sich die Stahlbosse wohl auch nicht leisten wollen. Wrobel räusperte sich und deutete mit schiefgelegtem Kopf auf die beiden Sanitäter, die, eine Bah­re zwischen sich, in dünnen weißen Kitteln über der Winterkleidung am Bauzaun lehnten und bib­ber­ten. „Kann der Tote weg?“ Zweig nickte müde. Was es an Spuren gegeben hatte, war eh schon zertreten. Er blickte auf die Werk­schutzleute, die die Leiche gefunden haben wollten. Breitbeinig standen sie da, ungeschlacht, bul­lig, mit plattgeboxten Nasen. Die hatten noch nie am Hochofen Stahl gegossen oder Kohle ge­schau­felt. Die wurden für ganz andere Sa­chen bezahlt. Und wenn er fragen würde, dann waren die drei zusammen in der Bauhütte da drüben gewesen, hatten Kar­ten gespielt, alle drei, die ganze Zeit zu­sam­men, nein, rausgegangen ist keiner von uns, und was gehört? – bei dem Lärm, Herr In­spek­tor? Aber er fragte nicht. Er schaute hoch an dem Turm, auf dem in schwindelnder Höhe und eisi­ger Kälte Wandungsbleche an die Stahlträger genietet wurden. Mantelschuss um Mantelschuss. Im Ak­kord. Da hatte keiner nach unten geguckt. Das Ding musste doch fertig werden. Ein Gasbehälter. Zweig fror. Er marschierte schweigend neben Wrobel hinter der Bahre her. Sah zu, wie sie auf den Leichenkar­ren ge­schoben wurde. Wie der Wagen abfuhr. Wollte schon umkehren, zur weiteren Befragung, da sah er die riesige Schablone mit dem Unternehmensemblem an einem Ge­rüstteil lehnen. Ein stili­siertes G über zwei aneinanderhängenden Hs. Fast ein Faden­kreuz. Er ging einen Schritt darauf zu. Da­mit wollten sie dann wohl die Spitze des Bau­werks bemalen, wenn alles fertig war. Weithin sicht­bar. Gute Hoff­nung. Er musste hier weg. Sie traten auf die Straße. „Macht Schluss mit der Verjudung Europas!“, schrie es ihm von der Seite ent­gegen. Ein schmächti­ges Bürschchen, das vor dem Werkstor den Völkischen Beobach­ter verteil­te und ihm nun ein Ex­emplar entgegenreckte. „Die Juden sind unser Unglück.“ Rotblonder Bürs­ten­schnitt, sommer­sprossiges Gesicht, den Mund noch halb aufgerissen vom letzten Schrei, Spei­chel­fäden zwischen den schiefen Zähnen, da wollte man reinschlagen, rein­schlagen und nicht mehr auf­hören. Einen Schritt noch, dann spürte Zweig den festen Griff, der ihn von dem Bürschchen weg zu­rück auf das Werksgelände zerrte. Wrobel ließ ihn schließlich los, sagte nichts. Sie standen beide nur stumm nebeneinander und starr­ten auf das stahlgraue Ungetüm, das trotz seiner vier­undzwanzig Ecken rund aussah. „Da steckt Geld dahinter“, hatte Wrobel auf dem Hinweg gesagt. Hatte er wirklich nur den Bau ge­meint? Die blutigen Knö­chel des Werkschutz­manns. Die in den Taschen vergrabenen Hände der anderen. Arbeiter, wacht auf! Der schlief jetzt für immer. Und nichts kriegte ihn mehr wach. „Lassen Sie uns zurück zum Revier gehen, Oberwachtmeister!“, sagte Zweig rau. „Justitia, der blin­den Hure, geben wir für heute frei.“
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