Lehrbrief und Schreibaufgabe
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Herzlich willkommen auf dem Portal der VHS-Schreibschule

Liebe Freundinnen und Freunde der Schreibzunft!
Lebendig erzählen – Von der Buchstabensuppe zum Prosawerk heißt es nun zum fünften Mal wieder. Es geht um einen flüssigen Erzählstil, um dramaturgische Kniffe, die deinen Text für deine Leser interessant werden lassen. Es geht um Heldinnen und Helden, die unsere Geschichte geschickt transportieren, und in diesem Semester geht es ganz besonders um diese Arbeit mit diesen unseren Figuren.
Viel Spaß und viel Erfolg,
wünscht Elke
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Der Jubiläumsband ist erschienen.
Ich schenk dir ein Buch

Viel Spaß beim Wiederlesen.
wünscht Elke
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 Die Geschichte der Woche
"Lasst uns froh und munter sei..." von tanner
Lasst uns froh und munter sein Heute, am Heiligabend sind unsere Leute schon morgens patzig zueinander und viel verwirrter als sonst. Auch die, die immer selbständig frühstücken, möchten gefüttert werden. „Kommt meine Tochter?“, fragt Frau Blum zum gefühlt 27. Mal. Sie hat auch noch Geburtstag. „Wie alt werde ich?“, fragt sie jeden, den sie trifft. „Sie werden 96 Jahre alt“, antworte ich. „Und Ihre Tochter kommt ganz sicher, Blümchen.“ Alle nennen sie Blümchen und sie hört das gern. Trotzdem ist das respektvolle „Sie“ in unserer Demenz-WG unerlässlich. Das gebietet die Achtung voreinander, finden wir. Wir, das sind meine Chefin Carla, Praktikant Sascha, die Aushilfskräfte, die zusätzlich im Schichtdienst arbeiten und ich. Ich heiße Mandy und bin Altenpflegerin. Gemeinsam versuchen wir, den Alltag unserer Schützlinge so normal wie möglich zu gestalten, Struktur in ihren Ablauf zu bringen: Mittagessen um 12Uhr 30, Kaffee oder Tee um 15Uhr30 und Abendessen um 18Uhr. Das sind ihre Fixpunkte, darauf können sie sich verlassen.So etwas haben die meisten nicht gehabt, bevor sie zu uns kamen. Früher sind sie oft von zuhause ausgerissen, waren aggressiv und teilweise verwahrlost. „Sechsundneunzig, so so“, murmelt Frau Blum vor sich hin. „Hätte ich nicht gedacht. Dann dauert es nicht mehr lange, bis ich tot bin. Aber heute will ich noch nicht sterben!“ Weihnachten macht unsere Gäste nervös. Fast alle erinnern sich an irgendein Weihnachtsfest mit ihren Lieben, die sich auch dieses Jahr nicht sehen lassen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Blümchens Tochter Anne wirklich kommt. Sie hat es mir versprochen. Sie ist dann die Tochter für alle. Wir singen Weihnachtslieder und Anne liest Geschichten vor. Fünf Frauen, zwei Männer, das ist unsere Wohngemeinschaft zur Zeit. Alle dement, bis auf Herrn Sänger, der einen Schlaganfall hatte und im Rollstuhl sitzt. Der zweite männliche Bewohner heißt Liederbach. Er hat die Neigung, Sachen, auch Lebensmittel in seinem Zimmer zu verstecken und sie zu vergessen. Aufmerksam werden wir meist erst durch den Gestank. „Otto Liederbach und ich, wir beide zusammen sind ein Chor“, sagt Herr Sänger herausfordernd zu mir. Ob ich seinen Wortwitz verstehe? Aber sicher lache ich darüber, auch zum hundertsten Mal. Frau Rudloff erzählt, dass sie wegen ihrer Augen hier ist, um wieder gesund zu werden. Sie ist fast blind und so schwerhörig, dass man sie anschreien muss. Aber sie lacht sehr viel. Alle haben sie gern. Sie ist unser Sonnenschein. Niemand hier würde zugeben, in einer Demenz-WG zu leben. Dies ist ein Krankenhaus, fertig. „Wir sind doch nicht plem plem“, behauptet Frau Krämer. Sie war Studienrätin und manchmal erzählt sie Dönekes aus der Schule. Immer wieder bringt sie Geschichten von Schulausflügen, Klassenarbeiten und wie sie es schaffte, 60 Deutschklausuren an einem Wochenende zu korrigieren. „Schummeln wollten die bei jeder Arbeit, aber ich habe es immer gemerkt.“ Ihre Leidenschaft sind Gedichte. „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich“, deklamiert sie mit hoher Stimme und sagt die ganze Bürgschaft auswendig auf. Frau Achenbach war mal Kassiererin bei Edeka. Sie ist fast hundert, und ihr Sohn hat ihr bei einem seiner seltenen Besuche eine kleine Registrierkasse mitgebracht. Jetzt zählt sie ständig ihr Monopolygeld und ist sehr darauf bedacht, den anderen richtig „rauszugeben“. Anne ist da, Gott sei Dank. Sie spielt Bingo mit den beiden Männern und Frau Blum. Herr Liederbach gewinnt, worüber sein Kumpel Sänger sich gar nicht freut. Er schmollt. Blümchen flüstert ihm etwas ins Ohr und er lächelt sie an. Beim Scrabble ist Frau Krämer unschlagbar. Ihr gelingt es, „Schwanzende“ hinzulegen, was Frau Rudloff, der ich die Begriffe vorlesen muss, überhaupt nicht akzeptieren will. Wie bei Loriot, geht es mir durch den Kopf. Gab es da nicht auch den „Schwanzhund“? Nicht das erste Mal fühle ich mich wie in einem Sketch. Um die Situation zu entschärfen, bitte ich Frau Krämer zum Kartoffelschälen. „Ich darf ja nicht, wegen meiner Augen“, sagt Frau Rudloff bedauernd. „Aber ich kann den Tisch decken.“ Gut so! Beim Mittagessen füttert Blümchens Tochter Frau Krause, die nicht mehr spricht. Mehr als ein paar Laute bringt sie nicht heraus. Ständig hat sie eine ihrer Puppen im Arm. Über 50 davon gibt es in ihrem Zimmer. Und eine darf immer mit zu den Mahlzeiten. Es ist jedesmal eine andere, da vertut sie sich nie. Sascha versucht, Frau Achenbach zum Essen zu überreden. „Will nicht“, sagt sie und schlägt mit dem Löffel in die Suppe, dass es nur so spritzt. „Was möchten Sie denn, Frau Achenbach?“ Frau Achenbach verschränkt die Arme, sagt gar nichts mehr.Sascha versucht es weiter und hält ihr den Löffel hin. „Du musst essen, Agnes“, mahnt Frau Rudloff liebevoll. „Du wirst sonst krank.“ Und wirklich: Agnes lässt sich überzeugen, nimmt einen Löffel Suppe und noch einen. Unsere Bewohner sind wie Geschwister. Sie zanken sich, sie helfen sich. Eben kommt Blümchen zu mir in die Küche gerollt und sagt: „Frau Krause ist so hibbelig, sie muss bestimmt zum Klo. Sie kann doch nicht alleine.“ Gegen fünf kommt unser Pfarrer um die Ecke. „Ich bau schon mal auf“, sagt er. Jedes Jahr zu Heiligabend reist er mit seinem mobilen Altar an, bringt seinen Neffen mit, der als Ministrant dient und feiert mit uns den ökumenischen Weihnachtsgottesdienst. Stumm und andächtig sitzen sie dann da, schauen auf den festlich geschmückten Baum und singen „Vom Himmel hoch“ und zum Schluss „O du fröhliche.“ Ich sehe, dass Blümchen und Herr Sänger scheue Blicke tauschen und irgendwann greift er nach ihrer Hand. Schön, wenn die beiden sich gefunden haben sollten. So etwas gab es bisher in unserer Gemeinschaft noch nicht. Deshalb haben wir keinerlei Erfahrung mit Liebe und Sex unter Senioren. Das wird spannend! Nach dem Gottesdienst sind unsere Helden müde und erschöpft. Zeit für ein schnelles Bütterchen mit anschließender Bescherung, bei der es von Frau Rudloff und Frau Krämer Selbstgebackenes gibt. Für jeden individuell angefertigt. So bekommt Frau Achenbach liebevoll designte Plätzchen, die wie Münzen aussehen sollen, aber eher eckig geraten sind. Frau Krämer freut sich über ihren gebackenen Zeigestock mit Tafelschwamm. „Überraschung!“, ruft Herr Sänger in die Runde. „Ich möchte was verkünden. Das heißt, wir möchten was verkünden.“ Dabei schaut er die neben ihm sitzende Frau Blum liebevoll an. „Blümchen und ich, wir sind jetzt ein Paar. Wir bleiben zusammen. Freut ihr euch für uns?“ Und während Beifall aufbrandet, küssen sich die beiden zärtlich. Was für ein Tag!
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